Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichte Predigt wurde von Pfarrer Hans Janßen am 22. Sonntag im Jahreskreis gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

heute geht es um innen und außen. Wir haben das gehört, dass Jesus davon spricht, dass dieses Volk ihn mit den Lippen ehrt, das Herz aber weit weg von ihm sei. Gerade vorher hatten die Pharisäer daran Anstoß genommen, dass die Jünger das Brot mit unreinen Händen essen. Wie verhält sich das mit innen und außen? Sicherlich nicht so, dass das Äußere egal, gleichgültig wäre.  Was wir äußerlich tun, was wir sagen oder hören, das berührt uns innerlich. Und auch umgekehrt: Was uns innerlich bewegt, das findet auch einen sichtbaren Ausdruck: in unserer Körpersprache zum Beispiel oder in unserem Blicken oder in unserer Stimme, oder auch darin, dass wir etwas ganz bewusst neugestalten, etwas wegräumen.

Aber das Äußere, das dann nur Äußerliche, das kann sich auch verselbstständigen. Ja, es gibt gute Gewohnheiten, aber wenn das Gute nur noch dann getan wird, wenn es gesehen wird, dann ist die Heuchelei nicht weit.  Wir sprechen dann von „mehr Schein als Sein.“ Und darum geht es heute Morgen, dass wir in der Kirche und als Christen nicht nur äußerlich etwas vorgeben, sondern dass das Gute, was Gott gibt, in unserem Leben, in unserem Inneren verwurzelt ist.

Ich wundere mich manchmal, wenn Menschen sagen, dass ihnen das „nur so rausgerutscht“ sei. - Rausrutschen kann ja nur, was vorher auch drinnen war. Darum könnte man sich dann ja mal kümmern.

Oder diese Redensart „jetzt mal ehrlich.“ Ja, sonst etwa nicht?

Mit dem Tagesgebet haben wir heute Gott gebeten: „Pflanze in unser Herz die Liebe zu deinem Namen ein. Binde uns immer mehr an dich, damit in uns wächst, was gut und heilig ist.“ Andere haben ein feines und zutreffendes Gespür dafür, was echt, was dem Glauben entspringt, und was nur nachgemacht oder antrainiert ist. Und genau darum, wie das gehen kann, dass in uns wächst, was gut und heilig ist, was der Liebe zu Gott entspricht, darum geht es in den Lesungen, auf die wir gehört haben.

Das erste Schlüsselwort ist damit schon gefallen: „Hört!“ „Hört und ihr werdet leben.“ So haben wir schon in der ersten Lesung gehört. Oder in der zweiten Lesung: „Nehmt in Sanftmut das Wort an.“  - Warum ist das Hören so wichtig? Weil so, und nur so Gott von außen auf uns zu kommt. Ja, es stimmt: Das Innere bestimmt das Äußere. Aber, so haben wir ja heute auch aus dem Evangelium gehört: „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.“

Nein, es stimmt: Nicht bei jedem alles. Aber doch bei jedem von uns etwas von all dem.  Hier ist keiner, bei dem es nichts von all dem geben würde. Wahrscheinlich ja eher nicht der Mord oder der Diebstahl, aber doch vielleicht die bösen Gedanken, der Neid, der Hochmut, die Lästerung und die Unvernunft. Und vielleicht auch noch wieder anderes. Aber keiner ist da, für den nichts von dem zutreffen würde. Das Evangelium, die frohe Botschaft ist nichts, was aus unserem Herzen kommen würde.

Die frohe Botschaft kommt nicht aus unseren Herzen, sondern sie kommt von Gott. Und man muss wohl dazu sagen: Gott sei Dank ist das so! Sonst wäre das alles, wozu wir jetzt versammelt sind ja nur von uns und ausgedacht. Das Wort, um das es hier geht, das verbindet uns mit Gott und schafft so neues Leben. Der Gott, der sprach und es wurde, der Gott, der durch sein Wort die Schöpfung geschaffen hat, Er schafft auch heute durch sein Wort und verändert Menschen. Er weckt durch sein Wort tote Gewissen auf, tröstet und schafft im Glauben Herzenshaltungen neu.

So haben wir vor kurzem doch erst die Antwort des Apostels Petrus gehört, der zu Jesus sagt: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt. Du bist der Heilige Gottes.“ Das Wort, um das es hier geht ist mehr als nur eine Information. Es geht um mehr, als nur darum, dass uns etwas gesagt wird, was wir dann in die Tat umsetzen, sondern durch das Wort Gottes durch das Wort Gottes geschieht genau das, was wir im Tagesgebet ausgesprochen haben: Gott pflanzt in unser Herz die Liebe zu seinem Namen. Das Wort Gottes, das von außen auf zu uns zukommt verändert in uns etwas. Damit dies geschehen kann, braucht es auf unserer Seite allerdingst eine Haltung, die nicht von alleine da ist. Eine hörende Offenheit für Gottes Wort.

Solange diese Offenheit und dieses Vertrauen nicht da sind, solange sind Menschen dabei, das Wort Gottes und auch die Gebote ihrer Lebensgeschichte anzupassen. Da wird alles so gehört, dass sich nichts ändern muss. Nicht Menschen richten sich dann nach dem Wort Gottes aus, sondern das Wort Gottes wir dann dem eigenem Verhalten abgepasst. Deshalb: „Nehmt mit Sanftmut das Wort an…“ Solange aber Menschen meinen, sie wüssten schon alles, sie bräuchten das Wort Gottes nicht immer wieder neu, solange bleiben Menschen für Gott verschlossen. Das Hören beginnt also mit einer Haltung der Offenheit Gott gegenüber.  Und dann wird es so sein, dass uns Worte begegnen, die wir vielleicht schon oft gehört haben. Insofern kennen wir diese Worte wirklich.

Aber, noch einmal: Es geht nicht vor allem um Information, sondern bei Gottes Wort geht es die Begegnung mit IHM. Es ist ein Unterschied, ob wir einen tröstlichen Gedanken haben, oder ob Gott uns tröstet. Und es ist ein Unterschied, ob wir ein ermahnendes Wort hören, oder ob wir eine Ermahnung als eine Ermahnung von Gott hören. Und das nicht etwa deshalb, weil eine Ermahnung von Gott uns Angst macht, oder strenger ist, als es nur eine Idee von Menschen wäre. Nein, der Grund liegt wo anders: Wenn Gott zu uns spricht, dann ist ER auch dabei, wenn wir IHN beim Wort nehmen. ER lässt das gute Wollen gelingen. Gottes Aufforderungen und Gebote sind immer auch mit einer Verheißung, mit einer Zusage verbunden. Das gute Werk des Hörens, das Er in uns anfängt, das wird Er auch vollenden. Gott stärkt Menschen, die IHN beim Wort nehmen, die wirklich tun wollen, was ER sagt.

Der Unentschlossene bleibt allein. Wer aber im Glauben Schritte des Gehorsams wagt, den stärkt Gott. Wie kommen wir also zu einem offenen, fruchtbaren Hören auf Gottes Wort? Zuerst so, dass wir die Fassade vor Gott abbauen. Wir müssen nicht alles so hinbiegen, so dass alles schon ganz in Ordnung aussieht. Vor Gott, der in diese Welt gekommen ist, alle Sünde, die Menschen nicht länger verstecken, am Kreuz auf sich zu nehmen, vor diesem Gott müssen wir nichts verstecken und nichts schönreden. Wir dürfen auch dieses Wort Gottes hören, dass ER gerne vergibt, und einen Neuanfang schenkt.  Gottes Vergebung befreit zur Wahrheit. Und dann sind wir frei, neu zu hören, und mit dem anzufangen, was uns aus Gottes Wort erreicht hat.

„Werdet Täter des Wortes und nicht nur Hörer,“ das ist kein Aufruf zum Aktivismussondern das ist die dringende Einladung, sich mit Gott auf den Weg zu machen. Wir bitten Gott darum, dass ER unsere Herzen verwandelt, dass an die Stelle des Neids die Freiheit tritt, zu gönnen, an die Stelle des Geizes die Freiheit großzügig zu geben, an die Stelle der Gier, die Freiheit zu verzichten.

Ja, wir hören sehr genau auf die Gebote. Aber das alles geht nur deshalb, weil wir nicht alleine auf dem Weg sind. Gott bleibt nicht in der Kirche zurück, er geht mit, wenn wir gesandt werden. Gott bleibt auch nicht in der Wohnung zurück, in der wir gebetet und die Bibel aufgeschlagen haben, sondern ER geht mit, wenn wir die Wohnungstür hinter uns zuklappen. Denn Christus, den wir aufnehmen, das Wort, das wir hören verändert unser Herz. - So hört und ihr werdet leben.“

 Amen 

 

Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis, 29.08.2021
Markus 7, 1–8.14–15.21–23; Deuteron 4, 1–2.6–8; Jakobus 1, 17–18.21b–22.27
 

Tagesevangelium 29.08.2021

In jener Zeit,

versammelten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus. 

Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. 

Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser die Hände gewaschen haben; so halten sie an der Überlieferung der Alten fest. 

Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. 

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? 

Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesája hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. 

Vergeblich verehren sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. 8Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. 

14 Dann rief Jesus die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage! 

15 Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. 

21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, 22Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft. 

23 All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

 

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