Predigt zur Osternacht

  • 04 April 2021 |
  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichte Predigt wurde von Pfarrer Hans Janßen in der Hl. Messe zur Osternacht mit einer Erwachsenentaufe in der Kirche Hl. Familie gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Taufbewerberin,

wie schön und wie passend, dass wir in diesem Ostergottesdienst auch eine Taufe feiern. Das ist kein Zufall. Beides gehört zusammen. Beides bleibt ohne das andere missverständlich. Ostern erklärt die Taufe. Und die Taufe erklärt auch Ostern. Warum ist das so?

Darüber, was über den Tod hinaus noch sein könnte, darüber gibt es viele Vorstellungen. Die einen sprechen von einem Weiterleben im anderen. Die anderen sprechen vom Weiterleben in der Erinnerung. Ja, und auch darüber, dass die Seele irgendwie weiterlebt gibt es viele verschiedene Ideen. Und dann heißt es:“ Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod. - Ja, das glauben wir Christen auch. Aber das alles wäre, würden wir noch weit hinter der Osterbotschaft zurückbleiben. Ostern ist kein „irgendwie.“ Und Ostern ist kein „vielleicht.“  So, wie auch die Taufe kein „irgendwie“ und kein „vielleicht“ ist. Ostern und die Taufe sind leiblich. Da gibt es etwas zu sehen und da gibt es etwas zu spüren, anzufassen.

Ja, es stimmt, beides muss gedeutet und beides will verstanden werden. Aber das, was gedeutet und verstanden werden will ist zunächst ein Datum, etwas Gegebenes. Warum ist das so? Weil sowohl die Auferstehung Jesu Christi, als auch die Taufe ein göttlicher Eingriff ist. Wir glauben an einen lebendigen Gott, nicht an einen nur gedachten oder gar nur vermuteten Gott. Wir glauben einen handelnden Gott. Und dieser lebendige Gott konnte nicht anders, als dass ER in die Geschichte gekommen ist. Gott ist zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Land, in einem bestimmten Volk auf diese Erde gekommen. Geboren um das Jahr Null, in Bethlehem, als Jude. Und alles, was wir als Christen glauben hat zu tun mit dieser Geschichte. Deshalb darf in der Osternacht zum Beispiel nie die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten fehlen. Der Durchzug durch Rote Meer darf nie fehlen.

Ja, natürlich, Gott hätte das alles auch ganz anders machen können. Aber Er ist diesen Weg gegangen. Er hat sich so und nicht anders offenbart. Gott ist ein persönlicher Gott. Er ist ein leiblich erfahrbarer Gott. Und das alles zusammen heißt: ER ist ein schenkender Gott. Denn es hätte ja auch alles ganz anders sein können. Aber so hat Er sich gezeigt und so handelt ER: In der Geschichte, ganz handfest und konkret.

Warum ist das wichtig? Weil darin sichtbar wird, dass die Auferstehung, dass das ewige Leben nichts ist, was nur in mir, in meinem Ich sich abspielt, sondern im Miteinander, im Gerufen- sein in der Begegnung und Gemeinschaft mit dem Auferstandenen. Gott kommt von außen auf uns zu, nicht aus meiner Phantasie. Gott, der in die Geschichte gekommen ist, der Fleisch angenommen hat, ER will auch in unsere je eigenen Lebensgeschichten.

Das ist das Gemeinsame aller Ostergeschichten. Sie sind Begegnungen. Der von den Toten auserstandene Jesus begegnet Maria Magdalena, er begegnet den Jüngern und vielen anderen. Und immer waren es Menschen, die ihn schon von vorher kannten. Alte Bekannte. Die hatten was miteinander erlebt: Einschneidende Erlebnisse, ja Wunder. Aber oft, ja fast immer war es so, dass sie erst einmal Jesus nicht erkannt haben. Nie sofort. Immer war da eine Verzögerung, ein zweiter Blick. Warum war das so? Weil nach der Auferstehung Jesu Christi von den Toten nicht einfach etwas Altes weitergeht. „Siehe, ich mache alles neu.“  sagt Jesus später.

Ja, es stimmt:  Es ist immer noch derselbe Jesus. Aber doch mit einem neuen, ewigen Auferstehungsleib. Was ist geblieben? Ja, die Art, wie er das Brot bricht, wie er die Schrift auslegt, und wahrscheinlich noch anderes mehr.

Besonders geblieben sind aber vor allem sind seine Nägelmahle, seine Wunden. Auch als der Auferstanden bleibt Jesus der Gekreuzigte. Das wird nicht überdeckt: Er bleibt der für uns Hingegebene. Und nur und erst dadurch ist die Osterbotschaft schon jetzt für uns Licht in unserer Dunkelheit.

So also erklärt nun Ostern unsere Taufe: Nach der Taufe  geht nun auch nicht einfach etwas Altes weiter. Wir sind getauft in den Tod und in das Grab Jesu Christi. Und wir sind aufgetaucht aus der Taufe in die Auferstehung Jesu Christi. „Sind wir nun also mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit IHM leben werden.“ Und auch das ist nun nicht einfach eine Rückkehr ins Bisherige. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen. Alles ist neu geworden.“

Unsere Auferstehung, das ewige Leben ist also nichts, was erst irgendwann nach unserem Tod beginnt, sondern jetzt. Ja, es stimmt, unsere Auferstehung mit einem neuen Leib wird bei der der Wiederkunft Jesu vollendet, aber dass wir neu geboren sind in Christus, das gilt schon heute in Taufe und Glauben.

Ja, auch unsere Wunden sind noch da: Was uns verletzt hat, was uns bedrückt, und auch, was wir verschuldet haben. Aber Christus ist nun auch schon da, ganz konkret in unserem Leben. ER in uns und wir in IHM.  Wir sind noch als die Alten erkennbar, und doch schon neu in Christus.

Wir haben noch unser Geburtsdatum, aber wir haben auch ein Taufdatum: Der Tag, an dem der Auferstandene in unser Leben eingetreten ist. Leben wir nun mit IHM, als Zeugen der Auferstehung, als Zeugen der Gegenwart. Und auch das geht nicht aus dem Eigenen und nicht aus dem Inneren: Auch dazu hat Christus die Sakramente gestiftet: Die Firmung und immer wieder die Eucharistie, der Leib Christi, der in unserem Leben Raum gewinnen will. Aus diesen beiden Quellen schöpft ein Leben mit dem Auferstandenen: Dem Wort Gottes und der Eucharistie.

Und es wächst das neue Leben in Christus.

 Amen 

 

Predigt zur Osternacht, 04.04.2021
Markus 16,1-7, Römer 6, 3-11 von Pfarrer Hans Janßen

 

Tagesevangelium 04.04.2021

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Mágdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Sálome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. 

Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. 

Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? 

Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. 

Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. 

Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat. 

Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.

 

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