Predigt an Taufe des HERRN

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von von Pfarrer Hans Janßen an Taufe des HERRN in der Kirche Hl. Familie gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

die Zeit nach Weihnachten ist geprägt davon, dass Jesus sich als der Christus, als der Gottessohn zeigt: Das war zu Heilige Drei Könige so, das ist heute, zur Taufe Jesu so, und das ist dann auch wieder zur Darstellung des HERRN, zu Mariä Lichtmess am 2. Februar.

Und nie ist es damit getan, dass wir dann einfach nur über Jesus wissen sollen, dass Jesus Gottes Sohn ist, der Heiland, der Messias. Immer geht es dabei auch darum, dass wir, (gemeinsam und doch jeder zugleich auch für sich,) erfahren, wer wir sind, oder besser: wer wir sein können.

Danach, wer denn nun Jesus ist, danach ist immer wieder dann auch später gefragt worden: wenn Jesus Kranke geheilt hat, oder wenn ER den Sturm gestillt hat: Wer ist dieser? Immer führt uns diese Frage dann aber auch dazu, dass wir uns klar werden, wer wir sind. Als z.B. Maria Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer besucht, da ruft Elisabeth aus: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Oder denken wir an den Fischzug des Petrus: Jesus bewirkt das Wunder der übervollen Netzte, und was tut Petrus: Er fällt vor Jesus nieder und sagt: „Geh weg von mir, ich bin ein sündhafter Mensch.“ Sobald wir auch nur anfangen, uns Jesus anzunähern, erfahren wir nicht nur etwas über Jesus, sondern wir fangen auch neu an zu fragen: Wer bin ich denn, wenn das alles wahr ist, mit Jesus und mit dem Glauben? Was heißt das für mein Leben?

Und erfahren heute zur Taufe Jesu auch etwas über uns selber. Was erfahren wir hier über Jesus? Im Hören auf das Evangelium kann es uns helfen, dass wir uns regelrecht vorstellen, wie das aussah, als Johannes im Jordan taufte.

Viele Leute waren an den Jordan gekommen, um sich taufen zu lassen. Johannes hatte verkündet: Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich. Ich habe mit Wasser getauft, ER wird mit Heiligen Geist taufen. Und bekanntlich hatte Johannes die Menschen zur Umkehr gerufen. Sie sollten ablegen, was gegen Gott steht und womit sie in Schuld verstrickt sind. „Tut Buße, kehrt um; Denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen.“ Das war seine Botschaft. Und die Leute kamen in Scharen und standen Schlange. Einer nach dem anderen bekannte seine Sünden und ließ sich taufen.

Wie muss das gewesen sein? Viele kennen dieses Gefühl, sich hinten anstellen zu müssen. Das ist nicht immer schön und gibt einem manchmal schon so ein Gefühl von Abhängigkeit, von Unfreiheit. Oder wenn wir eine Nummer ziehen müssen und dann warten. Das ist auch ein Bild, ein Symbol. Mir sagte das einmal jemand, der seinen Arbeitsplatz gerade verloren hatte: „Jetzt muss ich mich wieder ganz hinten anstellen.“ Das ist nicht gut für das Selbstwertgefühl.

Und dann gibt es wieder ganz andere, die haben Sonderrechte.  Wenn da die Leute Schlange stehen. dann werden sie vorbei an jeder Schlange vorgelassen. Der Erste Klasse – Schalter. Auch das ist ein Bild, ein Symbol. Zurück an den Jordan: 

Das erste, was wir bei der Taufe Jesu sehen, ist dies, dass sich Gottes Sohn hinten anstellt. Jesus, Gottes Sohn, nimmt den letzten Platz ein. Christus, der alle Macht hat, im Himmel und auf Erden, ER stellt sich ganz hinten an, wo die Sünder stehen, wo wir Menschen stehen, die wir sagen müssen: Ja, es gibt Dinge in meinem Leben, die habe ich falsch gemacht, da habe ich nur mich gesehen, da habe ich Gott links liegen lassen. Jesus stellt sich zu denen, die so, wie dann später Petrus feige waren und Jesus verleugnet haben, oder wie Zachäus, der sich auf Kosten anderer bereichert hat, oder wie die Ehebrecherin, die ihre Verantwortung nicht wahrgenommen hat, die andere verletzt, Ehepartner und Kinder im Stich gelassen hat.

Dorthin stellt sich Jesus, ganz hinten, und macht sich verwechselbar, (bis heute) so, als wäre er selber ein Sünder: Warum? Weil Gott sich in seiner Liebe zu uns stellt.

Und nun sagt Johannes, der Täufer ganz deutlich: Diese Taufe, mit der er tauft, das ist noch nicht die Taufe, die wir heute kennen. Jesus hat unsere Taufe erst nach Ostern, erst nach seiner Auferstehung gestiftet. Unsere Taufkerzen werden an der Osterkerze angezündet. Und doch bildet die Taufe Jesu schon unsere Taufe schon vorab. Warum? Weil in dem Moment, in dem Jesus aus dem Wasser stieg, sich der Himmel auftat und der Heilige Geist auf ihn herabkam, wie eine Taube. Und aus dem Himmel zu hören war: „Dies mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ 

Und nicht nur unsere Taufe ist hier vorabgebildet, sondern auch das Opfer Jesu am Kreuz, sein Sterben und seine Auferstehung von den Toten bildet sich in der Taufe Jesu ab. Das Hinabsteigen Jesu in den Jordan entspricht dem Sterben Jesu, und das Hinaussteigen aus dem Wasser entspricht der Auferstehung. Deshalb wird auf vielen Ikonen, wo die Taufe Jesu dargestellt wird, der Jordan, aus dem Jesus steigt, wie ein Grab dargestellt. - „Dies mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“

So, wie diese Stimme vom Himmel, so ist auch die Auferweckung Jesu von den Toten Gottes Bestätigung: Dieser Jesus ist genau den Weg gegangen, auf dem Gott uns aus allen Verstrickungen, ja durch den Tod hindurch retten will. Also daran hat Gott Wohlgefallen, dass Jesus sich zu uns Menschen stellt, dass ER mit seinem Leben für uns eintritt, damit wir nicht im Tod bleiben, damit wir nicht in Schuld bleiben, damit wir hinein genommen werden in die heilsame Gemeinschaft mit Gott. Und so ist es kein Zufall, dass wir in der Taufe Jesu im Jordan erfahren, wer Jesus ist. Ja, ER ist Gottes Sohn!

Aber damit ist längst noch nicht alles gesagt. ER ist Gottes Sohn, der sich mit uns ganz hinten anstellt, der für uns hinabsteigt in das Reich des Todes, damit auch wir mit IHM – bildlich gesprochen –  aus dem Jordan steigen, und – ohne Bild gesagt teilhaben an seiner Auferstehung.

                  Ja, es gilt die Einladung, die wir in der ersten Lesung gehört haben: „Kommt zum Wasser! Kauft ohne Geld und ohne Bezahlung – umsonst. .. Sucht den HERRN, ER lässt sich finden. Ruft ihn an, ER ist nahe!“ Und was dann geschieht, das haben wir in der zweiten Lesung gehört. „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist. Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.“

Es ist kein Zufall, dass wir unsere Taufe mit unserem Taufnamen verbinden. Wir haben nun eine neue Zugehörigkeit. Und auch unsere Gotteskindschaft wird nun auch offenbar, und zwar dadurch, dass der Heilige Geist in unserem Leben wirkt und wir Gott und unseren Nächsten lieben. Dann, wenn wir hingegangen sind und uns haben versöhnen lassen, da wird uns nicht gesagt: Tu dies oder jenes, dann bist du ein Kind Gottes, sondern umgekehrt:

Uns wird gesagt, woran wir erkennen, dass wir Kinder Gottes sind: Daran, dass Gott lieben und seine Gebote halten wird sichtbar, dass Gottes Geit in unserem Leben wirkt. Wenn uns Gottes Ehre wichtig wird, wenn uns Gottes Wille ein Anliegen ist, wenn uns das Wohl und das Heil anderer Menschen nicht gleichgültig ist, dann ist das ein Zeichen, dass Gottes Geist in unserem Leben wirkt. Ja, der Zugang sind Glaube und Taufe, der Zugang ist, dass wir hingehen und umsonst „kaufen“, uns versöhnen lassen, Christus in unser Leben aufnehmen, aber die Gegenprobe, die Vergewisserung, der Lackmustest ist der, dass wir merken: Gott ist mir von Herzen wichtig geworden. Gottes Ehre ist mir nicht mehr gleichgültig. Gottes Wille, sein Wort ist mir wichtig geworden. Nicht so, dass uns alles gelingt. Aber doch so, dass Gottes Geist in unserem Leben am Werk ist.

Und dann ändert sich in unseren Herzen etwas: Dass wir uns nicht unbedingt vordrängeln müssen, nicht nur unseren Vorteil, nicht nur unser Ansehen für das allerwichtigste halten, sondern dass wir uns auch zurück nehmen können, dienen und teilen können, ja, auch für andere eintreten.

Aber all dies eben nicht als moralische Forderung, sondern als Frucht davon, dass wir getauft sind in den Tod und die Auferstehung Jesu. Und so heißen wir nicht nur Kinder Gottes, sondern wir sind es auch und tragen den Namen Jesu Christi.

Amen
 

Predigt in der Heiligen Familie, Taufe des HERRN, 10.01.2021
Markus 1,7-11; Jesaja 55,1-11; 1Johannes 5,1-9 von Pfarrer Hans Janßen

 

Tagesevangelium 10.01.2021

In jener Zeit
trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 

Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. 

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 

10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

 

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