Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von von Pfarrer Hans Janßen zum 13. Sonntag im Jahreskreis in St. Annen gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

im heutigen Evangelium wird eine merkwürdige Unterscheidung gemacht: Da gibt es nicht nur Christen und Nichtchristen, Getaufte und Ungetaufte oder Anhänger oder Gegner Jesu, sondern: es wird unterschieden zwischen Jüngern Jesu und Sympathisanten. Solche, die Jesus folgen, und solche, die Jünger beherbergen.

Wie können wir das verstehen? Offensichtlich gibt es eine unterschiedliche Nähe zu Jesus, eine unterschiedliche Nähe  zum Glauben, eine unterschiedlich tiefe Verwurzelung. (Überhaupt nicht zur Sprache kommen dabei diejenigen, die gar nichts vom Glauben wissen wollen, oder, die sogar erklärte Gegner des Glaubens sind.) Nein, es geht um diejenigen, denen der Glaube und Gott zumindest irgendetwas bedeutet.

Zwei Dinge tut Jesus dabei nicht. Er tut nicht so, als wären alle im Glauben gleich: Es gibt da Unterschiede, die wir ja auch alle wahrnehmen. Aber aus lauter Sorge, da könne sich der eine über den anderen erheben, sprechen wir da nicht so viel drüber. Die Formel heißt dann: Alle Getauften und Gefirmten. Und jeder weiß: Das sagt bei weitem noch nicht alles. Da gibt es Unterschiede. Unterschiede, ob einer das lebt oder eben auch nicht. Jesus übergeht das nicht. Er benennt die Unterschiede. Aber Er benennt die Unterschiede nicht so, das er sagen würde: Die einen sind besser als die anderen. Nicht die Frommen besser, als die weniger Frommen. Übrigens auch nicht umgekehrt: Er sagt auch nicht: Besser nicht zu fromm. Das meinen manche ja auch.

Nichts von dem. Jesus spricht stattdessen von dem, worin jeweils die Aufgabe besteht. Ob einer lange im Glauben ist oder erst kurz, ob einer auf der Suche ist, oder ob er meint, er sei schon mit allem fertig: Für jeden gibt es einen nächsten Schritt: Eine Fortentwicklung.

Da sind zunächst die Jünger, ja, die Apostel. Und Apostel gibt es nur 12. Das sind die Amtsträger. Manche sagen ja auch Amtskirche, und  meinen das nicht immer nett. Wie auch immer: Das sind die, denen viel anvertraut ist  und bei denen man viel erwartet.

Was sagt Jesus denen? Er sagt: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt, als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“

Das ist schroff, aber es sagt etwas darüber, dass Christus-Nachfolge nicht nebenbei geht. Es geht um Bevorzugung. Der Ruf in die Nachfolge bedeutet eben, sein ganzes Leben in das Licht Christi zu stellen. Und was  auf den ersten Blick nur wie eine einzige Forderung aussieht, das ist letztlich die Frage, ob wir wirklich glauben, dass Christus der HERR ist, der für jeden einzelnen für uns in diese Welt gekommen ist, um uns mit Gott zu versöhnen. Und wenn das so ist, warum sollten wir uns dann nicht  mit unserem ganzen Leben anvertrauen, mit allem, was uns bewegt, um was wir uns sorgen und wen wir lieben, eben Vater und Mutter, Tochter und Sohn. Das Problem entsteht dann, wenn wir anfangen zu sortieren, bevor wir hören, wenn wir befürchten, bevor wir vertrauen. Dann kommen zwei Lebenswelten zustande: Die eine, in der wir selber das Heft in der Hand halten, und die andere, in der wir die Entscheidungen und Wege Christus anvertrauen.

Das Alte Testament nennt das ein „Hinken auf beiden Beinen.“ Das kann nicht gut gehen. Viele leben aber so, und beklagen sich dann, dass sie in ihrem Leben so wenig von Gott erfahren. Manchmal höre ich den Satz: „Ja, aber wir haben doch schließlich auch noch ein Privatleben.“ Ja, das stimmt. Aber was für ein Gott wäre das denn, den mein Privatleben nichts angehen würde? Privare heißt auf Deutsch: berauben, ausklammern, herausnehmen. Ein Glaube, der aus Lebensbereichen  oder Entscheidungen  Gott  ausklammert bringt keine Frucht, bleibt bedeutungslos.

Nein, wir dürfen und sollen Gottes Verheißungen ernst nehmen. Und das für das ganze Leben, für alle Lebensbereiche.  Wir tun gut daran, Gottes Gebot und Weisung ernst zu nehmen, ihn über alle Dinge zu lieben, zu ehren und zu vertrauen.

Wer Gott aber ausklammert, wer sein Leben nur für sich behalten will, der wir des verlieren.

Wir können uns das an einem ganz einfachen Beispiel klar machen: Da, wo wir jemanden helfen, wo wir vertrauen, ja, erst recht, wo wir dienen können, da geht es uns gut. Hingabe und Einsatz tun uns gut. Kein Mensch arbeitet nur, um Geld verdienen. Da geht es immer auch um Begegnung, um Erfahrung, um Bestätigung, um die Entfaltung von Begabungen. In jedem Beruf, in jeder Aufgabe, auch  in der Betreuung der Kinder oder Enkelkinder ist das so. Nicht nur für sich selber zu leben da zu sein, tut jedem Menschen gut. Und wenn das schon unter uns Menschen so ist, um wieviel mehr gilt das in der Christusnachfolge.

Erst in der ausgelebten Liebe zu  und  in der Hingabe  an Christus  erfahren wir, wozu uns Gott ins Leben und in die Welt gerufen hat. Ja, das erfordert eine Bevorzugung, eine Entscheidung, aber diese Bevorzugung  schenkt auch eine Klarheit, die befreit. Sie befreit auch von der Angst, zu kurz zu kommen. Das sagt Jesus den Jüngern, den Aposteln, denen, die IHM ernsthaft folgen wollen.

Aber nun gibt es noch eine zweite Botschaft. Die wendet sich zunächst an diejenigen, die Jünger Jesu aufnehmen. Es geht um eine besondere Form der Gastfreundschaft. „Wer einen Propheten aufnimmt, weil er einen Prophet ist, wird den Lohne eines Propheten erhalten.“ Das ist erstaunlich. Da geht es nicht um Ganze, nicht um Nachfolge, (noch nicht um Nachfolge) sondern  da geht es um einen bestimmten Dienst. Ja, es geht sogar noch weiter: „Wer euch (die Jünger) aufnimmt, der nimmt mich auf.“ sagt Jesus. 

Und das sagt nun gleich Dreierlei:

- Es sagt etwas über Jesus selber,
- es sagt etwas über die Jünger Jesu,
- und es sagt etwas darüber, dass unser Leben einen Lohn haben wird.

Es sagt etwas über Jesus selber: ER war eben nicht nur damals. ER ist auch nicht einfach nur im Himmel, sondern  ER ist jetzt hier. ER ist ER mitten unter uns, wenn wir uns in seinem Namen versammeln.

Ist uns das wirklich klar? Kommen wir so in die Kirche, dass wir sagen: Hier ist der HERR? Bereiten wir uns so auf diese Begegnung vor? Er ist hier in den Sakramenten. ER spricht durch Sein Wort. ER wartet auf unsere Gebete. Ja, und ER lebt fort in der Kirche und in allen, die IHM wirklich folgen.

Nein, nicht so, dass wir sein Werk alleine fortführen. So ist das nicht gemeint. Sondern ER, Jesus Christus ist da, gegenwärtig. Deshalb: „Wer euch (die Jünger) aufnimmt, der nimmt mich auf.“

Damit sagt Jesus also etwas über seine Anwesenheit in der Welt. Und wer die Jünger Jesu aufnimmt, der muss von Christus erfahren, einfach, weil die Jünger zu Jesus gehören. Und damit sagt Jesus etwas über die Jünger Jesu. Ein Jünger Jesu bevorzugt Jesus, so dass ER nun alles wie ein Sauerteig durchdringt. Wenn es möglich wäre, mit uns zu leben, ohne dass deutlich werden würde, dass wir zu Jesus Christus gehören, dann stimmt da doch etwas nicht. Nein, wer es mit Christen zu  tun bekommt, der bekommt es mit Christus zu tun. Und wenn das bei uns nicht so ist, dann wird es Zeit für einen Neuanfang im Glauben, Zeit zur Umkehr. Jesus sagt hier also etwas über unsere Lebensverbindung mit IHM, mit Christus selber.

Und schließlich: Wie ist das mit dem Lohn? Es ist eben nicht gleichgültig, wie wir leben. Unser Leben hat einen Lohn, den Gott uns am Ende geben wird. Wer einem auch nur einen Becher Wasser gibt, weil er ein Jünger Jesu ist, er wird seinen Lohn dafür bekommen. Und: „Wer einen Propheten aufnimmt, weil er einen Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.“

Was für ein Lohn? Er wird mit Gott in Berührung kommen.  Und wer mit Gott in Berührung kommt, der hat das Leben. Wer das auch nur anfängt zu ahnen, der wird Christus mehr lieben als Vater, Mutter, Kinder. 

Aber durch Christus wird er dann auch diese lieben.

Amen
 

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis, den 28. Juni 2020 in in St. Annen
Matthäus 10,37-42; 2 Könige 4,8-11+14-16a; Römer. 6,3-4,8-11 von Pfarrer Hans Janßen

 

Tagesevangelium 28.06.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus 10, 37-42.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

 

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