Predigt zum Patronatsfest der Hl. Familie

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von von Pfarrer Hans Janßen zum Patronatsfest in der Heiligen Familie gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

zu Beginn jeder Predigt spreche ich Sie so an:„ Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!“ Wir feiern heute das Fest der Heiligen Familie. Durch Jesus Christus haben wir den Vater im Himmel gemeinsam, sprechen wir von Schwestern und Brüdern im Glauben, ja, feiern heute Morgen in diesen Tag auch noch einmal ganz besonders: Das Patronatsfest dieser Kirche und Gemeinde. Und Patronatsfest heißt immer eben auch: Vorbild und Fürsprache. Wäre mit der Familie alles problemfrei und gut, dann würde es dieses Fest wohl nicht geben.

Denn wenn wir von einer Familie sprechen, dann sprechen wir auf der einen Seite von einem Sehnsuchtsort, von Sehnsucht nach Geborgenheit, danach, verstanden zu werden, einfach man selber zu sein, aber auf der anderen Seite ist die Familie eben auch ein Ort von Konflikten, ja, von Konkurrenz zwischen Geschwistern, von einer immer wieder neu auszujustierenden Aufgabenaufteilung zwischen Eheleuten.

Also, kurz gesagt: Da liegen einerseits viel Sehnsucht, aber andererseits auch viel Sprengstoff dicht nebeneinander. Und genau das, was die Sehnsucht und Spannung der Familie ausmacht, das finden wir auch in Kirchengemeinden wieder. Auch in dieser Gemeinde, die eben diesen Namen trägt: Heilige Familie.

Da gibt es Träume und Forderungen, aber da gibt es oft auch ÜBER-forderungen und Erwartungen, die nicht erfüllt werden können. Also kommt es darauf an, die Kraftquelle, den festen Grund zu finden auf dem alles ruht: Also: Wir tragen ja nicht nur einen Familiennamen, sondern auch, ja, vor allen Dingen einen Taufnamen.
Der Familienname gehört zur natürlichen Familie, der Taufname zu Gottes großer Familie.

Das heißt praktisch: Wenn diese Kirche und diese Gemeinde Heilige Familie heißt, dann beziehen wir uns weder auf die besonders dunklen, noch auf die besonders hellen Seiten unserer natürlichen Herkunftsfamilien, sondern wir beziehen uns auf Christus. Ihm verdanken wir unsere Gotteskindschaft. ER und nur ER verbindet uns miteinander. Wir vertrauen nicht vor allem auf Tüchtigkeit und natürlicher Herkunft, auch nicht darauf, dass wir nun so und so lange schon dabei sind, sondern wir vertrauen vor allem darauf, dass wir von Jesus Christus in die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater gerufen sind. Was eine Familie hell und befreit leben lässt ist, dass wir uns als Beschenkte begreifen: Nicht der vergleichende Seitenblick macht froh, sondern der gemeinsame Blick auf Jesus Christus. Und dies, ob wir diesen Mittelpunkt Jesus Christus haben, das merkt man. Erst, wenn eine Familie oder eine Gemeinde aus dieser Beziehung lebt, wird sie geheilt und geheiligt. Wie sieht das praktisch aus? Was tut die Heilige Familie?

• Sie hört,
• Sie betet an, und
• Sie bleibt auf dem Weg, den vorher nur Gott kennt.

Also als Erstes: Die Heilige Familie hört. Wie soll das gehen, dass eine Familie heilig ist? Und die Antwort gibt der Engel: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Es ging mit nicht weniger, als durch die Empfängnis durch den Heiligen Geist. Anders gesagt: Der Neuanfang war nichts Menschenmögliches, er kam von außen, vom Himmel, von Gott.

ABER er war eben auch nicht ohne ein Ja-Wort möglich. „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Und Maria bewegte all diese Wort in ihrem Herzen. Und ähnlich war es bei dem Hl. Joseph: Er will Maria nicht bloßstellen, will gehen, bleibt dann aber,
als er erfährt, dass Jesus Gottes Sohn ist. Für uns heißt das: Wenn wir Gott dienen wollen, wenn wir anderen Menschen dienen wollen, dann geht das nicht ohne, dass wir selber immer und immer wieder hören – und antworten. Erst dadurch wird die Familie heilig, dass sie immer und immer wieder hört. Wir geben nicht vor allem Wissen weiter, sondern vor allem erzählen wir, was wir gesehen und gehört haben. Wenn wir gemeinsam Gott dienen wollen, dann wird das nicht so gehen, dass wir sagen: „Ach, jetzt bin ich schon so und so lange dabei, jetzt habe ich schon so viel Übung in diesem und jenem: das kann ich auch so diesen oder jenen Dienst tun.“ Da würden wir nur auf uns selber bezogen bleiben. Der Heilige Geist kennt keine Routine. Wer aufhört, auf das Wort Gottes zu hören und daraus zu leben, der schleicht sich innerlich von der Quelle weg. Die Heilige Familie war nie nur eine Habende, sondern immer auch eine Hörende. Denken wir an den 12-jährigen Jesus im Tempel: „Muss ich nicht in dem sein, was meines Vaters ist?“ fragt Jesus. „Wer den Willen meines Vaters im Himmel hört und tut, der ist mein Bruder, meine Schwester, meine Mutter.“ Hüten wir uns davor, nur aus dem eigenen Gutdünken heraus zu handeln. Dann wären wir vielleicht fleißig, aber noch lange nicht geistlich, und erst recht nicht eine Heilige Familie - Gemeinde. Auf das Hören kommt es an.
Auf das Hören, was sich kein Mensch hätte ausdenken können. Und dazu gehören dann auch die Hirten, die Dazugekommenen, die Überraschenden, die Neuen. Gott spricht auch durch Menschen, die ER uns schickt. Auch Maria und Josef bleiben mit der Botschaft nicht für sich allein. Gott schickt ihnen Zeugen, die sie stärken, aber die sie nur deshalb stärken können, weil die Heilige Familie den Hirten zuhört.

Habt ihr euch eigentlich schon einmal gefragt, wer eure „Hirten“ sind? Die Zeugen, die ungefragt dazukommen? Lesen wir später, im Brief an die Hebräer, „Vergesst die Gastfreundschaft nicht,“ und dass „einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt haben,“ so ist uns die Heilige Familie auch darin ein Vorbild, wie sie die Hirten aufgenommen hat. Sie hören zu, sie interessieren sich, sie staunen und: sie beten nun gemeinsam an. Vergesst die Gastfreundschaft nicht! Vielleicht denken wir da ja mal öfter daran, wenn jemand neu zu uns kommt, sprechen auch die an, die nicht schon immer dazu gehört haben, interessieren uns, erkundigen uns, hören und feiern auch mit ihnen ganz bewusst den Gottesdienst. Das können wir von der Heiligen Familie lernen: Das Hören auf Gott und die Gastfreundschaft, die ins gemeinsame Gebet führt. Und dann: Indem Jesus in der Mitte ist, finden sie ihren eigenen Platz. Es ist wie bei der Ankunft der Hirten an der Krippe: Aus dem Hören folgt die Anbetung, das Lob Gottes, und erst in der Anbetung erfahren wir, wer wir selber sind:

Denn nicht nur den Glauben, nicht nur die Gemeinschaft im Glauben verdanken wir nicht uns selber, sondern auch in der Anbetung erfahren wir, dass wir miteinander von Gott Beschenkte sind. Wer nicht dankt, wird vergesslich. Das macht die Familie heilig: Dass wir uns als Beschenkte begreifen und immer und immer wieder von Gott beschenken lassen. Und wir merken: in der Anbetung, werden wir zu Menschen, die loslassen können, die gönnen können, die großzügig werden und keine Angst haben, zu kurz zu kommen oder übersehen zu werden. Denn das lernen wir in der Anbetung: Gott sieht dich an! Wer dafür aber an der Krippe nicht anhält, wer sich dafür zu wichtig findet, der erfährt das nicht.

Und ein letzter Hinweis: Die Heilige Familie ist auf einem gemeinsamen Weg. Wieder hat Josef einen Traum. Wir haben das im Evangelium gehört. Und die Hl. Familie flieht nach Ägypten bis zu der Zeit, zu der Herodes gestorben war. Die Hl. Familie fragt immer wieder neu danach, wie Gott sie führen und bewahren will. Wir kennen den Fahrplan nicht, aber wir kennen den HERRN, der vorangeht. Da gibt es auch Veränderungen. Diese Veränderungen können auch erst einmal unangenehm und anstrengend sein. Aber wenn sie dazu dienen, die Verbindung mit Gott nicht aus dem Blick zu verlieren, dann ist es gut, gemeinsam diesen Weg zu gehen Entscheidend ist, dass der HERR vorangeht. Gott hat nur so die Verheißung erfüllt, dass die Heilige Familie schließlich wieder nach Nazareth zog. Ja, die Hl. Schrift verschweigt das nicht: „Als Joseph hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte fürchtete er sich dorthin zu gehen.“ Ja, er fürchtete sich. Aber weil er im Traum den Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in der Stadt Nazareth nieder, damit sich erfüllte, was durch die Propheten gesagt worden war. Am Ende geht es darum, mehr auf die Verheißungen, mehr auf die Zusagen des Wortes Gottes zu vertrauen, anstatt den eigenen Befürchtungen zu folgen. So können wir auf die Fürsprache und das Vorbild der Heiligen Familie vertrauen: Dass wir hören, immer wieder neu, als Beschenkte, nicht als immer nur Wissende und Habende oder Fordernde. Beschenkt damit, Kinder Gottes zu sein.

Amen
 

Predigt zum Patronatsfest der Hl. Familie, den 29. Dezember 2019 in der Heiligen Familie
Matthäus 2, 13-15+19-23, Jesus Sirach 3,2-6+12-14 und Kolosser. 3,12-21 von Pfarrer Hans Janßen

 

Tagesevangelium 29.12.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus 2, 13-15+19-23.

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

 

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