Predigt vom Pfingstsonntag

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von Pfarrer Hans Janßen am Pfingstsonntag gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

in den letzten Wochen konnten wir es immer mal wieder in den Evangelien hören: Jesus kündigt den Jüngern einen anderen Tröster, den Heiligen Geist an. Oder auch, ähnlich: Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber in all dem wird euch der Heilige Geist leiten. Darunter konnten sich die Jünger wahrscheinlich nicht viel mehr vorstellen, als sich heute die meisten Zeitgenossen von Pfingsten auch.

Sagt der Volksmund: „Zu Pfingsten sind die Geschenke am geringsten,“ so wäre es auch nicht ganz falsch diesen Spruch  leicht zu verändern in: „Zu Pfingsten ist die Kenntnis am geringsten.“

Worum geht es also? Es geht tatsächlich um die Antwort auf die Frage, wie es sein kann, dass wir überhaupt heute mit Gott, mit Jesus, im Glauben leben können. Wie kann es sein, dass das Opfer, das Jesus vor 2000 Jahren gebracht hat, heute Bedeutung, ja Wirkung auf unser Leben hat? Denn ohne den Heiligen Geist hätten wir ja lediglich eine Erinnerung an das, was Jesus damals gesagt und gewirkt hat. Aber wir wären damit ja sozusagen alleine. Wir würden eine Idee haben, aber keinen lebendigen, gegenwärtigen HERRN. Als Christ zu glauben heißt aber ja, mit Gott in Beziehung zu stehen.

Was wären unsere Gebete ohne den Heiligen Geist? Sie wären nur Selbstge-spräche, gute Wünsche vielleicht noch. Deshalb sagt uns aber der Apostel Paulus „Wir wissen nicht, was wir beten sollen, aber der Geist Gottes lehrt uns zu beten, Abba, lieber Vater.“

Und mehr noch: Ohne den Heiligen Geist  könnten wir auch die Heilige Eucharistie nicht feiern, ja, es gäbe keinen Leib des HERRN in unserer Mitte: Die Hostie bliebe ohne den Heiligen Geist einfach nur ein Stück Brot. Erst durch den Heiligen Geist kann sie zum Leib des HERRN werden. Gehört doch zu jeder Wandlung eben auch die Bitte: „Sende deinen Heiligen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deine Sohnes, unseres HERRN Jesus Christus.“

Das sagt schon einmal zweierlei: Einmal: Der Heilige Geist ist wirklich Person: Wir sprechen IHN an, wir beten zu IHM. Auch in den meisten Pfingstliedern sprechen wir den Heiligen Geist ja direkt an: „Komm Heiliger Geist…“ „Atme in uns, Heiliger Geist“, „Nun bitten wir den Heiligen Geist….“ Und so weiter.

Der Heilige Geist ist also Person, zu der wir beten, so wie Jesus Christus und so, wie Gott Vater Person ist. Und das andere: Die göttliche Person Heiliger Geist hat Macht Versinnbildlicht haben wir das heute gehört: Der Sturm, der in Jerusalem zu Pfingsten vom Himmel kam. Und wir alle wissen, welche Kraft ein Sturm hat.

Dann: Die Flammen, die auf die Köpfe der Apostel kamen, sie dann aber offensichtlich nicht verbrannten, so wie der brennende Dornbusch nicht verbrannte.

Ja, aber das alles sind Bilder für etwas noch Größeres. Der Heilige Geist hat Macht, zu verwandeln. Und diese Wandlung hat eine große Absicht und ein großes Ziel: Dass geheilt, was in der Schöpfung durch Sünde beschädigt ist. Persönlich gesprochen: Die Absicht und das Ziel des Heiligen Geiste ist es, zu heilen, was in unserem Leben beschädigt ist ja, mehr noch Es ist der Geist, der Leben wieder neu schafft.

Und das beginnt nicht erst nach Ostern, sondern, so haben wir ja in der zweiten Lesung gehört: Es ist die Kraft des Heiligen Geistes, die Jesu von den Toten auferweckt hat.

„Wenn … der Geist dessen in euch wohnt, der Christus von den Toten auferweckt hat…“ Und auch das beginnt noch früher: Mit der Menschwerdung Gottes durch den Heiligen Geist. Unsere Hoffnung auf die Auferstehung, unser Lebens – und Glaubensmut beginnt mit der Empfängnis Marias durch den Heiligen Geist. So, wie Jesus Mensch geworden ist  durch den Heiligen Geist  in Maria,  so hat der Heilige Geist  auch die menschliche Natur Jesu von den Toten auferweckt. Und der Apostel Paulus schließt daraus: der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch EURE sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Durch den Heiligen Geist kommt also die Auferstehung Jesu in unser Leben. Anders gesagt: Wenn wir merken, dass in unserem Leben und in der Welt überhaupt, so vieles verletzt und beschädigt ist: dass es Streit gibt, dass Menschen unversöhnt sind, ja, sogar, dass es Spaltungen in der Kirche gibt, und schließlich, dass wir sterben müssen, dann ist der Heilige Geist die Macht Gottes, durch die der Schaden geheilt wird.

Es ist das Werk des Heiligen Geistes zu heilen und zu versöhnen. Heißt es in der Pfingstgeschichte doch, dass die vielen verschiedenen Menschen jeder sich in seiner Sprache hört. Zu Pfingsten wurde sogar die Sprachverwirrung vom Turmbau zu Babel überwunden. Der Heilige Geist heilt im Glauben, was in dieser Welt verwundet und beschädigt ist.

Wir kennen das aus der Lossprechung in der Beichte: „Gott hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden….“

Und wir merken: Der Heilige Geist bringt das Osterfest, bringt die Auferstehung in unser Leben. Jesus ist nun im Heute. Das Pfingstfest, mit dem wir ja die österliche Zeit abschließen, Pfingsten lässt uns Ostern persönlich werden, vergegenwärtigt uns Ostern, so dass die Auferstehung Jesu zu unserer Auferstehung wird.

Allerdings: Das geschieht nie ungefragt. Der Heilige Geist zwingt niemanden. Es wird immer gefragt. In jeder Taufe wird gefragt. Glaubst du, willst du, bekennst du?

Der Heilige Geist hat Macht über den Tod. ER hat Macht, von den Verstrickungen der Sünde loszusprechen. Der Heilige Geist kann heilen.

Aber an einer Stelle macht der Heilige Geist Halt. Der Heilige Geist schweigt, wenn ein Mensch sich Ihm verschließt. Vor der von Gott geschenkten Freiheit eines Menschen  macht Gottes Allmacht Halt. Wer über Glaube und Gott spottet, wer Jesus ablehnt wer vorsätzlich in Sünde bleibt, dem gegenüber schweigt der Heilige Geist.

Wer sich Ihm aber öffnet, wer Ihn sucht und bittet, der erfährt Heilung durch den Heiligen Geist. Nicht zuletzt die heilenden Sakramente gehören dazu: Die bewusst empfangene Krankensalbung, zum Beispiel. Das sollte man im Zweifelsfall nicht hinausschieben. Heilung gehört in unser Leben, nicht erst in unser Sterben. Die Beichte heilt. Die im Glauben empfangene Kommunion: der Leib Christi heilt. Deshalb widersprechen Spaltung und Spott dem Heiligen Geist.

ER heilt und versöhnt: ER versöhnt mit Gott, ER versöhnt miteinander und  ER versöhnt mit der eigenen Lebensgeschichte. Der Heilige Geist hat also Mittel, durch die ER zu uns kommt:

Die Sakramente, aber auch die Heilige Schrift, vor allem das apostolische Wort. So, durch diese Heilung der Vergebung und  im Umgang mit Christus, da lernen wir zu unterscheiden, was denn nun im Fleisch und im Geist ist. Rechthaberei zum Beispiel ist im Fleisch, Neid oder Geiz, Lüge und Intrige, um nur Beispiel zu nennen, sind im Fleisch. Also alles, womit Menschen versuchen, den Heiligen Geist auszusperren, das ist Fleisch. Denn das Böse schadet allen: Den Tätern und den Opfern.

Deshalb spricht der Apostel Paulus  vom Geist der Knechtschaft, wenn er vom Fleisch spricht. Der Heilige Geist aber ist der Geist der Kindschaft, der Geist des Vertrauens zu Gott und der Versöhnung. Da ist das Vertrauen und Zutrauen, dass wir bei Gott nicht zu kurz kommen. Und so haben wir die Freiheit, in den Geboten nicht eine Einengung zu befürchten, was uns dann am Hören und Verstehen hindern würde, sondern hören und glauben, was Jesus im heutigen Evangelium sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“

Und so haben es doch auch viele von uns erlebt, dass wir irgendwann angefangen haben zu fragen, was Gott will, und wie wir auch im Glauben wachsen können.

Was feiern wir heute also: Dass Gottes heilsame Macht heilsam in unser Leben kommt. Gott hat den Heiligen Geist gesandt, damit auch in unserem Leben und auch in der Kirche geheilt wird, was verwundet ist. So leben wir als Gottes Kinder. „Sind wir aber Kinder, dann sind wir auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi …“

Amen
 

Predigt am Pfingstsonntag, den 9. Juni 2019 in der Kirche Heilige Familie;
Johannes 14, 15-16+23b-26; Apostelgeschichte 2,1-11; Römer 8,8-17 von Pfarrer Hans Janßen

 

Tagesevangelium 09.06.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 14, 15-16+23b-26.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

 

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