Predigt vom 5. Sonntag in der Fastenzeit

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Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von Pater Benny am 5. Sonntag in der Fastenzeit gehalten.

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Was für ein wunderbares Evangelium! Wer kennt nicht dieses Wort Jesu an die Ankläger der Ehebrecherin: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Es ist ein befreiendes Wort, das in vielen Situationen zum Umdenken veranlasst. Es ist ein Wort, das jeden direkt trifft, dem niemand ausweichen kann. Nicht umsonst ist es eine Art Sprichwort geworden.

Warum berührt diese Szene des Evangeliums so stark? Die Erzählung ist meisterhaft. Kein Wort zu viel. Lebendig und anschaulich. Sie trifft jeden persönlich, wenn wir sie nur ein wenig auf uns wirken lassen. Denn dieses Wort Jesu bringt jeden zum Nachdenken über das eigene Leben: „Wer von euch ohne Sünde ist …“ 

So sind wir eingeladen, uns in der Vorstellung unter das Volk zu mischen, das sich da am frühen Morgen im Tempel in Jerusalem um Jesus geschart hat, um ihm zuzuhören. Mitten in das aufmerksame Schweigen der Leute bricht ein lauter Tumult herein. Eine Frau wird von einer Gruppe von Männern vor Jesus hingeschleppt: Eine Ehebrecherin! Sie wurde auf frischer Tat ertappt. Empörung! Skandal! Eine Sünderin! Nach strengem damaligem Gesetz hat sie ein todeswürdiges Verbrechen begangen. Sie muss sterben! Sie gehört gesteinigt!  Was wird Jesus tun? Wie wird er sich verhalten? Sagt er: Tötet sie! – Dann ist er unbarmherzig. Sagt er: Lasst sie laufen! – Dann handelt er gegen das klare Gesetz, das Mose in der Bibel festgelegt hat. Sie wollen ihm eine Falle stellen. Sie suchen einen Grund, ihn anzuklagen. Eigentlich wollen sie Jesus töten. Er ist ihnen ein Dorn im Auge. Der Anlass ist günstig. Die ertappte Ehebrecherin ist eine gute Gelegenheit, ihn selber als Gesetzesbrecher zu entlarven. 

Jesus aber kennt nur ein Maß und das wendet er ganz gerecht auf alle an. Er stellt nicht in Frage, dass Ehebruch eine schwere Sünde ist. Er ist kein Liberaler, für den es keine Sünde gibt. Aber er lässt sich von den Anklägern der Ehebrecherin nicht nur auf ihre Sünde allein festlegen. Ja, steinigt sie nur, sagt er, wie Moses das vorgeschrieben hat. Doch wenn du die Sünderin steinigst, dann darfst du selbst kein Sünder sein: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Plötzlich steht nicht mehr die Ehebrecherin im Mittelpunkt, sondern meine eigene Sünde. Du urteilst über diese Frau. Und du hast Recht, sie hat schwer gesündigt. Und jetzt schau dein eigenes Leben an: Selbst wenn du nie Ehebruch begangen hast, wie viele andere Sünden sind in deinem Leben! Bist du ohne Sünde? Hältst du dich für gerechter als diese Frau?

Und siehe da: Einer nach dem anderen lässt seinen Stein fallen und geht weg. Sind sie alle rot geworden? Beschämt bei dem Gedanken an ihre eigenen Sünden? Jesus richtet sich auf und fragt die Frau: „Wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?“ „Keiner, Herr.“  

Und dann Jesu wunderbares Wort an die Frau: "Auch ich verurteile dich nicht. !" Er verurteilt sie nicht und auch mich verurteilt er nicht! Es macht mir den Neuanfang möglich. Es gibt mir Hoffnung und lässt aufatmen. Und so kann ich auch für mich selber das Wort annehmen, das Jesus zur Ehebrecherin am Schluss sagt: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Ich will es künftig besser machen, bei mir selber anfangen und nicht mehr sündigen. 

Amen
 

Predigt am 5. Sonntag in der Fastenzeit, den 07.04.2019 in St. Hedwig; Joh 8, 1-11; Jes 43, 16-21; Phil 3, 8-14 von Pater Benny
 

Tagesevangelium 07.04.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 8, 1-11.

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

 

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