Predigt am 27. Sonntag im Jahreskreis

  • geschrieben von  Website Team

Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichte Predigt wurde von Pfarrer Hans Janßen am 27. Sonntag im Jahreskreis, zugleich Erntedank, gehalten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

da kommt heute einiges zusammen: mit diesem Tag, mit dem Evangelium, und das alles in unserer Zeit. Da ist das Erntedankfest. Die Früchte des Feldes und menschlicher Arbeit. Wir haben aber auch gehört von Ehe und Ehescheidung.  Und dennoch hängt eins mit dem anderen zusammen: Gott gibt uns Gaben. Aber wir Menschen tun uns schwer, so damit umzugehen, dass uns diese Gaben uns wirklich guttun. Oder, um es mit einem alten Wort zu sagen: Wir tun uns schwer, mit den Gaben Gottes so umzugehen, dass sie Segen bringen. Dafür ist die Natur ein Beispiel. Die Schöpfung, die Ernte. Vieles ist uns Menschen mit Erfindungen und Technik, mit Methoden der Chemie und der Biologie möglich, sehr viel machbar. Auch medizinisch ist vieles machbar.  Und doch bringt so mancher Fortschritt eben auch eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Gott gibt Gaben, aber alles, was wir Menschen damit machen hat Risiken und Nebenwirkungen.

Das gilt für den technischen Fortschritt. Stichwort: Klimawandel. Das gilt für Ehe und Familie: Stichwort: Traumhochzeit und Scheidungszahlen. Das gilt sogar für die Ernährung: Stichwort: Lebensmittelindustrie und gesunde Ernährung.  Die guten Gaben Gottes werden in den Händen von uns Menschen zum Problem.

Im Tischgebet haben wir das immer schon zum Ausdruck gebracht: „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

Auf den Segen kommt es an. Der Dank an Gott ist also gar nicht nur –  und auch nicht zuerst etwas, was wir zu Gott bringen, sondern unser Dank, der Sinn des Tischgebetes ist der, dass wir Gott in unsere Mitte bitten.

Ohne den Geber wird jede Gabe Gottes fad; Ohne IHN finden wir weder einen guten Lebensweg, noch einen guten Umgang mit den Gaben. Der immer mal wieder gesagte Satz: „Da liegt kein Segen drauf,“ wenn etwas nur mit Tricksereien zustande kommt, hat hier seine Wahrheit.  Ohne Gottes Segen bleibt die Arbeit vergeblich und werden die Gaben zum Problem.

So, und nun spricht das Sonntagsevangelium von Ehe und Ehescheidung. Was bedeutet es, wenn Paare den Segen für ihre Ehe erbitten?  Und wie kommen wir darauf, zu sagen, dass kein Mensch eine Ehe scheiden darf? Das zu sagen ist ja keine Erfindung der katholischen Kirche. Sondern alles, was die Kirche wesentlich ausmacht und was die Kirche lehrt, das hat seinen Grund in der Heiligen Schrift, in der Bibel. Das sagt das Alte Testament, und das lehrt Jesus:

„Was Gott zugsammengefügt hat, das darf der Mensch nicht scheiden.“ Warum aber? Weil die Ehe ein Abbild der Liebe und Treue Gottes zu seiner Kirche darstellt.

Geht das? Gilbert Chesterton, der Autor von „Pater Brown“, hat einmal gesagt: Wenn Ehen wegen der Unverträglichkeit der Temperamente geschieden werden, dann verstehe er nicht, warum nicht alle Ehen geschieden werden.  Da gibt es offensichtlich ein Problem. Dabei haben doch alle Paare, wenn sie heiraten beste Absichten. Liebe will sich binden.  Der Wunsch, die Sehnsucht nach Treue, Familie und Geborgenheit ist ungebrochen, davon erzählen alle Jugendstudien. Und wer wollte daran zweifeln, dass Liebe eine Gabe, ein Geschenk Gottes ist. Aber auch hier gilt offensichtlich, was für alle Gaben Gottes gilt: Unsere guten Absichten allein reichen nicht.

Auf dem Weltjugendtag im Jahr 2008 in Sydney fragt eine 19-jährige junge Frau Papst Benedikt: „Wie kann in unserer Zeit eine Ehe über viele Jahre andauern?“ Und der Papst hat mit einem sehr anschaulichen Bild geantwortet. Er gebraucht dabei das Bild einer Herztransplantation. Und das hat wiederum mit den Sakramenten zu tun.

Papst Benedikt sagt: „Wenn ein Mensch ein neues Herz bekommt, dann muss man dieses Herz ein Leben lang weiter behandeln.

 Der Patient muss Medikamente einnehmen, damit das neue Herz nicht wieder abgestoßen wird. So ähnlich ist es auch mit uns Christen. Durch die Taufe haben wir ein neues Herz erhalten. Dieses Herz will lieben.  Es ist fähig zu Hingabe. Aber dieses Herz schlägt eben auch in einem alten Menschen, der Mängel und Schwächen hat, der oft um sich selber kreist. Das neue Herz spürt zwar:

Eigentlich bin ich berufen zu echter, das Leben langanhaltender Liebe.  Aber dieses neue Herz schlägt eben in einem Menschen, den es immer wieder in eine andere Richtung zieht. Und wenn man dann dieses neue Herz sich selber überlässt, dann gerät es in Gefahr, wieder abgestoßen zu werden.“ Soweit Papst Benedikt.

Aus dem Evangelium haben wir heute gehört, dass die Pharisäer Jesus fragen, ob ein Mann sich von seiner Frau scheiden lassen darf. Und Jesus antwortet: Ja, Mose hatte zwar eine Scheidung erlaubt. Aber er hatte das nur erlaubt, „weil ihr so hartherzig seid.“ Am Anfang der Schöpfung aber war das nicht so! Es geht also um das neue Herz. Und das Herz, das Gott uns gibt, das soll schlagen. „Ist jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen. Siehe, es ist alles neu geworden.“  sagt der Apostel Paulus. Oder, vorher noch im Alten Testament die Verheißung für den neuen Bund: „Ich will euch ein neues Herz geben und ich werde euer Gott sein und ihr werdet mein Volk sein.“

Was heißt das alles nun ganz praktisch? Wir werden heute daran erinnert, dass die Sakramente, die wir empfangen, nie ein Abschluss, sondern immer wieder neu der Anfang eines Weges sind.

Am Ende jeder Hl. Messe werden wir gesandt im Frieden. Wenn es bei einer Erstkommunion aber bleibt, und daraus nicht eine gute Gewohnheit der Vorbereitung und des Empfangs der heiligen Kommunion folgt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, sehr groß, dass das neue Herz abgestoßen wird.  Gleiches gilt für das Sakrament der Versöhnung, die Beichte.  Und auch hinter jeder Taufe steht ein Doppelpunkt. Und ähnliches gilt auch für das Sakrament der Ehe. Auch da muss es weitergehen. Die Trauung ist kein Abschluss, sondern der Anfang eines neuen Weges, auch eines neuen geistlichen Weges. Es hat einen guten Grund, dass nur unter Getauften die Ehe ein Sakrament ist. Das neue Herz wird gestärkt durch das Sakrament der Ehe.

Was braucht das neue Herz aber weiterhin? Da ist zunächst das Gebet. „Schüttet ihm euer Herz aus, liebe Leute.“ lesen wir in den Psalmen.

Und da zu einem Gespräch immer zwei gehören. Das ist dann auch das immer neue Hören auf das Wort Gottes: zu Hause und in der Messe, alleine und im Gottesdienst.

Und nicht zuletzt: Der Empfang der heiligen Kommunion. Wer sich auch nur einigermaßen vorbereitet, der kann nicht auf sein altes, hartes Herz bestehen, sondern muss Christus wirklich einlassen. Und wo Christus ist, da ist Versöhnung.  

Und Versöhnung heißt eben nicht, dass wir schon am Ziel wären, sondern Versöhnung heißt, Frieden zu schließen mit dem Unvollkommenen. Ob das die Ehe, ob das die Arbeit, ob das der Lebensweg ist. Es gibt keinen Himmel auf Erden. Aber es gibt Christus auf Erden, der alles in ein neues Licht stellt. Damit das neue Herz, das wir in der Taufe geschenkt bekommen haben nicht abgestoßen wird, brauchen wir diese beständige Verbindung zu Jesus Christus, der versöhnt: Im Hören auf Ihn, im Gespräch mit IHM, in der engen Gemeinschaft mit IHM. So werden die guten Gaben Gottes zum Segen, so dass uns sogar der Mangel noch enger mit IHM verbindet. Und mehr noch: Sogar die Lasten, sogar die Sorgen, sogar das Gebrochene verbindet uns umso enger mit IHM, dem Geber aller guten Gaben.

 Amen 

 

Predigt am 27. Sonntag im Jahreskreis, zugleich Erntedank, 03.10.2021
Markus 10, 2-16; Genesis 2,18-24, Hebräer 2,9-11
 

Tagesevangelium 03.10.2021

In jener Zeit,

kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus der Ehe zu entlassen? Damit wollten sie ihn versuchen. 

Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 

Sie sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. 

Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. 

Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. 

Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen 

und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 

Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. 

10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.

11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. 

12 Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch. 

13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. 

14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. 

15 Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 

16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie. 

 

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