Predigt vom 1. Sonntag in der Fastenzeit

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Von Zeit zu Zeit wird hier in dieser neuen Kategorie eine Sonntagspredigt für Sie erscheinen. Das ist ein ganz besonderer Service für diejenigen, welche nicht an den Gottesdiensten teilnehmen konnten und für alle anderen, um die Predigt in Ruhe noch einmal zu Hause nachzulesen. Die heute veröffentlichten Predigt wurde von Pater Benny am 1. Sonntag in der Fastenzeit gehalten.

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Im Evangelium haben wir eben gehört, dass Jesus sein öffentliches Wirken mit einer intensiven Wüstenzeit begonnen hat. 40 Tage und 40 Nächte hat er in der Wüste beim Toten Meer gefastet. Auch die Fastenzeit, die eben am Aschermittwoch begonnen hat, dauert vierzig Tage, in Erinnerung an das vierzigtägige Fasten Jesu. Die vierzigtägige Fastenzeit haben Jesus bis zum Äußersten herausgefordert. Dazu sagt das Evangelium ganz nüchtern, dass Jesus "vom Teufel in Versuchung geführt" wurde.

Versuchung gehört zum menschlichen Leben. Niemandem bleibt sie erspart. Alle haben wir mit Versuchungen zu kämpfen. Jesus war ganz Gott und ganz Mensch. Als Mensch hatte er mit Versuchungen zu ringen wie wir. Er ist ihnen nicht erlegen. Er hat sie besiegt. Und diesen Kampf hat er für uns gekämpft. Er weiß, wie leicht wir Menschen versucht werden können. Und er will, dass wir im Kampf nicht unterliegen.  

Von drei Versuchungen wird im Evangelium berichtet, mit denen auch wir zu kämpfen haben, und die Jesus für uns bestanden hat: Genusssucht, Habsucht, Geltungssucht.

Genusssucht ist die erste Versuchung. Nach vierzig Tagen Fasten hat Jesus Hunger. Das ist normal. Woher Brot nehmen in der Wüste?

"Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden." Hunger macht schwach. Jesus soll schwach werden und für sich selber ein Wunder machen. Jesus hält dem Versucher ein Wort aus der Bibel entgegen: "Der Mensch lebt nicht nur vom Brot."

Genuss an sich ist nicht böse. Wenn wir aber nur auf Genuss aus sind, dann wird das zur Sklaverei und die macht unfrei und unglücklich. Brot ist wichtig, Freiheit ist wichtiger. Die Genüsse einschränken, auf sie bewusst verzichten, das schenkt neue Lebensfreude. Das will die Fastenzeit erreichen. 

Habsucht ist die zweite Versuchung. Sie kann aus Freunden Feinde machen, aus Familien wütende Erbstreiter. Alle Reiche dieser Welt bietet der Teufel Jesus an, "wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest". Die Habsucht hat ihren Preis. Sie macht unfrei wie jede Sucht, doch glaubt der Süchtige, dass er frei ist. Je mehr er hat, so spiegelt ihm der Versucher vor, desto freier werde er. In Wirklichkeit wird er immer abhängiger vom "immer Mehr-Haben-Wollen". Die Fastenzeit will uns das zeigen. 

Die dritte Versuchung ist die Geltungssucht. Wichtig sein, anerkannt, bewundert, gelobt werden! Wer kennt nicht diese Versuchung! "Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich von hier, von der höchsten Stelle des Tempels, hinab." Alle werden von dir begeistert sein. Du wirst ein Star sein. Die Menschen werden dir in Scharen folgen. So tönt die Stimme des Versuchers. Jesus hält ihr schlicht das Wort Gottes entgegen: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen." 

Die Fastenzeit will eine Schule der Freiheit sein. Denn jede Sucht macht unfrei und fesselt uns an uns selber. Sie ist auch eine Zeit der »Einkehr«, bei der es darum geht, in sich zu gehen und wieder die Stimme Gottes zu vernehmen, um die Versuchungen zu besiegen und die Wahrheit unseres Seins zu finden. Eine Zeit des geistlichen »Kämpfens«, die es zusammen mit Jesus zu leben gilt, mit den Waffen des Glaubens, das heißt mit dem Gebet, dem Hören des Wortes Gottes und der Buße. Auf diese Weise wird es uns gelingen, Ostern wahrhaftig zu feiern, dann kann die Wüste sogar zu blühen beginnen.

Amen
 

Predigt am 1. Sonntag in der Fastenzeit, den 10.03.2019 in der Heiligen Familie; Lukas 4, 1-13; Dtn 26, 4-10; Röm 10, 8-13 von Pater Benny
 

Tagesevangelium 10.03.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 4, 1-13.

In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.

 

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